4. Internationaler Doktorandenworkshop 2017

Am 15. und 16. Juni lud die Uwe Johnson-Gesellschaft zum vierten Mal zum Internationalen Doktorandenworkshop in das Internationale Begegnungszentrum Rostock ein. In Zusammenarbeit mit der Uwe Johnson-Forschungsstelle und der Uwe Johnson-Werkausgabe der BBAW an der Universität Rostock bot das Zusammentreffen für Studierende, Doktoranden und Interessierte die neuesten Erkenntnisse zur aktuellen Johnson-Forschung.

Vier der insgesamt sechs Referenten stellten ihre Beiträge am Donnerstag vor. Martin Fietze entwickelte dem Plenum das Thema seines noch jungen Dissertationsprojekts über das Reisen als Handlung, Motiv und Thema in Johnsons Werk. Daran schloss sich Till Greites Vortrag zu Johnson als Landvermesser an. Er analysierte insbesondere die Raummetaphorik in Johnsons kleineren Texten, in denen Berlin beschrieben wird.

Auch Johanna Gelberg von der Universität Luxemburg widmete sich der Grenze, allerdings der Darstellung von Grenze in der deutsch-deutschen Literatur: Johnsons Zwei Ansichten sind in diesem Kontext ein besonderer Fall. Diesen ersten Tag beschloss Claudia Zschech von der Technischen Universität Chemnitz. Schlüssig und nachvollziehbar regte sie dazu an, dem Zusammenhang zwischen der Gruppe 47 und Johnsons Opus magnum Jahrestage einmal genauer nachzugehen.

Am Freitag machte Dr. Sabine Schild, die erst kürzlich an den Universitäten von Pisa und Rostock promoviert wurde, den Anfang. Sie zeigte anhand einer Analyse einzelner Textpassagen der Jahrestage, wie sie in ihrer Doktorarbeit ‚Johnsons Realismus‘ zwischen Textoberfläche und Tiefenstruktur aufgearbeitet hat. Abschließend stellte Ole Landschoof seine Bachelorarbeit zu Johnsons Ein unergründliches Schiff vor, in der er den Blick für die allegorische Funktion des Textes schärfte.

Der Titel des Workshops, Vertrauen auf die Neugier der Leser, wurde dieses Mal auf besondere Weise eingelöst: Claudia Zschech machte ihr Thema den Zuhörern zum Geschenk: Wer wolle, solle daran weiterarbeiten. Und die beiden Referenten vom Freitag verabredeten einen gemeinsamen Aufsatz. Beide Details verdeutlichen, dass mit großer Intensität gearbeitet wurde. Selbst beim gemeinschaftlichen Grillen am Abend war von Johnson die Rede, aber nicht nur.

Prof. Dr. Holger Helbig von der Universität Rostock und Prof. Dr. Arne Klawitter, der eigens aus Tokio von der dortigen Waseda-Universität angereist war, hatten es leicht, die beiden Tage zu moderieren. Auch sie vertrauten auf die Neugier der Hörer.

Das Programm zum Workshop finden Sie hier.