Dr. Jasmin Rittler

Das Briefwerk Uwe Johnsons

 

Die Untersuchung galt den bislang veröffentlichten Korrespondenzen Uwe Johnsons, also seinem brieflichen Austausch mit Siegfried Unseld, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Max Frisch, Fritz J. Raddatz, Hannah Arendt, Walter Kempowski und dem nicht in einer eigenen Edition erschienenen Briefwechsel mit Lotte Köhler. Hinzu kamen einige unveröffentlichte Briefe. Als erste Monographie zum Thema war die Untersuchung darauf ausgerichtet, einen grundlegenden Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit Johnsons Briefwerk zu schaffen, ein erstes Bild von Uwe Johnson als Briefschreiber zu geben. Erkenntnisleitend waren die Frage nach dem Selbstbild, das der Autor in seinen Briefen von sich entwirft, sowie die nach der Rolle, die die Briefe für Johnsons Gesamtwerk spielen. Briefe spielten für Johnson in der sozialen Ausgestaltung seiner Beziehungen eine große Rolle. Trotzdem oder gerade deshalb finden sich nur wenige Briefe, die Johnson als Privatperson greifbar machen. Die Verschwiegenheit in privaten Belangen sowie seine emotionale Kontrolliertheit sind in fast allen Briefen deutlich. Dem entspricht, dass in den Briefen politische Ereignisse und den Literaturbetrieb betreffende Aspekte großen Raum einnehmen. Ihre Darstellung erzeugt ein Bild von Johnson als Schriftsteller und Literaturkritiker, der als kreativer Künstler und Wortschöpfer, als Humorist und scharfer Beobachter, als richtende Instanz und emotionales Gewissen seiner Briefpartner erscheint. Er glänzt sowohl mit Fürsorglichkeit als auch mit Sarkasmus. Darüber hinaus zeigt sich, dass Johnson seine Briefe auch als literarische Werkstatt verstand. Sie lassen erkennen, welche biographisch grundierten Themen, Konstellationen und Episoden Johnson für Wert befand, literarisch bearbeitet zu werden. In dieser Hinsicht markieren die Briefe den Übergang von Biographie zum Werk.