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Sehen Sie, ein Umzug, darunter begreift man die Verlagerung des Besitzes und die Verlegung des Wohnsitzes. Dazu bekommt man natürlich von den Ostbehörden nicht so leicht Erlaubnis, und ich hatte sie auch nicht. Ich bin also in ostdeutscher Terminologie ein Flüchtling. In westdeutscher Amtssprache bin ich kein Flüchtling, sondern jemand, der umgezogen ist. Ich würde nach wie vor sagen: ich bin umgezogen. Außerdem halte ich den Ausdruck ›Flüchtling‹ nicht für anwendbar auf jemanden, der eine nur oberflächliche Kontrolle überstanden hat und dann von einer S-Bahn-Station zur andern gefahren ist. Ich glaube, Flüchtlinge gibt es erst neuerdings im eigentlichen Wortsinn. Flucht ist eine Reise von einem Ort zu einem anderen unter sehr großem Risiko, eine Reise, die mit allen möglichen Mitteln behindert wird und in der sehr viel Gefahr enthalten ist: man wird verfolgt, man läuft, es ist einem alles egal, außer daß man ankommt - die Leute, die das tun, sind echte Flüchtlinge.

Horst Bienek, Werkstattgespräch mit Uwe Johnson (am 3.-5. 1. 1962 in West-Berlin)

In diesen Tagen kommen auch in der Hansestadt Rostock viele Flüchtlinge an und benötigen Hilfe auf der Reise, »in der sehr viel Gefahr enthalten ist«. Wer Ihnen helfen möchte, kann sich unter http://hrohilft.blogsport.eu/ , in sozialen Onlinenetzwerken unter #hrohilft oder bei der zentralen Annahmestelle für Hilfsgüter im JAZ e.V. (Lindenstraße 3b) informieren.