Leben und Literatur. Vorstellung des 21. Johnson-Jahrbuchs

Rund zwanzig Jahre musste Prof. Holger Helbig darauf warten, auf einen Vergleich zwischen der Literatur des ungarischen Autors Péter Nádas und Uwe Johnson. Anfang der 1990er Jahre besuchte er ein Seminar zu beiden Autoren im ungarischen Szeged, seitdem ist das Thema nicht wieder von der Forschung aufgegriffen worden. Mit einem Aufsatz Matthias Attigs im 21. Johnson-Jahrbuch ist es nun endlich so weit.

Am 27. Januar 2015 stellte die Uwe Johnson-Gesellschaft ihr aktuelles Jahrbuch im Orgelsaal der Hochschule für Musik und Theater (HMT) vor. Vor rund vierzig Gästen klärte Prof. Helbig eingangs auf, warum die Vorstellung dieses Mal erst zu Beginn des neuen Jahres stattfand – es lag an wenigen Zentimetern Stoff. Schon im Dezember war das Jahrbuch fertig gedruckt, in Folie verpackt und die ersten Exemplare verschickt. Und dann das: Es fehlte das Lesebändchen, das Holger Helbig bei der letzten Jahrbuchvorstellung für jedes folgende Jahrbuch versprochen hatte. 600 Exemplare mussten von Folie befreit werden, 600 Lesebändchen per Hand eingeklebt, das Buch erneut verpackt und verschickt werden. So ist es im Handel seit Mitte Januar erhältlich; mit Lesebändchen.

Auf 285 Seiten finden sich u. a. Vorträge der 3. Internationalen Uwe Johnson-Tagung, die im Mai 2014 in der Hansestadt stattfand, die beeindruckende Analyse eines Jahrestage-Kapitels, ein Prosatext des Uwe Johnson-Förderpreisträger 2013, Matthias Senkel, und eine Rede Kathrin Schmidts, die 2009 den Deutschen Buchpreis erhielt. Insbesondere die letztgenannten beiden Texte, aber auch der Aufsatz über Nádas und Johnson sowie zwei Nachrufe stünden dabei für den Einfluss, den Literatur auf das eigene Leben haben kann, so Prof. Holger Helbig.

Dass ein Beitrag des Leseprojektes »Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage« im 21. Johnson-Jahrbuch nicht fehlen darf, ist selbstverständlich. Dass es den Abschluss des Buches bildet, zeigt an, dass das Leseprojekt über das Jahr 2014 hinausreicht. Und so konnten Stefanie Kohl und Paul Onasch am Abend des 27. Januar den abgedruckten Beitrag bereits aktualisieren und informierten darüber, dass nur noch gut zwanzig Kapitel einzulesen sind. Dass die 161 bis zum 27. Januar 2015 ausgestrahlten Jahrestage-Kapitel bereits 1.373 Sendeminuten füllen, zeige zudem, welche Dimensionen dieses Mammutprojekt umfasst. Das aktuelle Tageskapitel vom 27. Januar 1968 hörten sich dann Referenten wie Gäste an, bevor Stefanie Kohl und Paul Onasch einen Ausblick gaben, was in den nächsten sieben Monaten, bis zum Abschluss des Projektes am 20. August 2015, noch folgen wird.

Bei eben jenem Kapitel aus Uwe Johnsons Jahrestagen vom 27. Januar 1968 setzte auch Katja Leuchtenberger, die stellvertretende Leiterin der Arbeitsstelle »Uwe Johnson-Werkausgabe«, an und zeigte, was mit den Werken, Briefen und Schriften Uwe Johnsons in den kommenden 24 Jahren geschehen wird. Besonders beeindruckt zeigten sich die Zuschauer dabei von den Möglichkeiten der digitalen Ausgabe, die es neben dem klassischen Buch mit einer historisch-kritischen Ausgabe geben wird. Anhand von Zeitungsausschnitten konnte dabei detailliert die Quellenarbeit eines der bedeutendsten Autoren der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur verfolgt werden, bis hin zur Übersetzung von »to be batty« mit »plemplem«.

Zum Abschluss wurde bei einem Glas Sekt und einem kleinen Snack auf das neue Jahrbuch angestoßen und viel über Uwe Johnson, die Werkausgabe und das Projekt »Eine Stadt liest Uwe Johnsons Jahrestage« gesprochen.