2. Internationaler Doktorandenworkshop 2013. Bericht

Nach dem ersten Internationalen Doktoranden-Workshop im Jahr 2011 hat sich ein kleines Netzwerk entwickelt: Man wusste beim Schreiben, wohin mit seinen Fragen – zumindest mit einigen. Nun war Gelegenheit, sich wiederzusehen und das Gespräch gemeinsam fortzusetzen: Vom 21. bis 23. Mai richtete die Uwe Johnson-Gesellschaft gemeinsam mit dem Institut für Germanistik ihren 2. Internationalen Doktoranden-Workshop aus. Ein Drittel der knapp 30 Teilnehmer war bereits beim letzten Mal dabei. Auch dieses Treffen hatte nicht nur Doktoranden aus ganz Deutschland angezogen, es waren Gäste und Referenten aus Japan, Luxemburg und Italien angereist.

Die Vorträge und Diskussionen ließen deutlich eine Tendenz zu kulturwissenschaftlichen bzw. kulturtheoretischen Themen erkennen. Mehrfach wurde nach der Dimension des Politischen in Johnsons Werk gefragt. So beschäftigt sich Marina Heier aus Bochum in ihrer Dissertation damit, wie sich Johnson in den Jahrestagen produktiv mit Hannah Arendts Totalitarismuskonzept auseinandersetzt. Für Mareike Gronich aus Bielefeld ist Johnsons politisches Potenzial vor allem in seiner Sprache angelegt. Anhand des kurzen Textes Boykott der Berliner Stadtbahn führte sie vor, wie sich Johnson mithilfe bestimmter narrativer Strukturen allzu einfachen Lösungsmöglichkeiten verweigert und seinen Lesern die Bewertung der Geschehnisse überlässt. Die genaue Arbeit an und mit den Texten kam ebenfalls nicht zu kurz: Yvonne Dudzik aus Bochum und Paul Onasch aus Rostock untersuchen in ihren Arbeiten, welche unterschiedlichen Funktionen die vielen literarischen und biblischen Intertexte bei Johnson haben und wie sie für die Interpretation fruchtbar gemacht werden können. Dass Johnson in der Forschung der letzten Jahre auch verstärkt als öffentliche Figur wahrgenommen wird, zeigte der Beitrag von Anke Jaspers aus Berlin. Sie ging der Frage nach, ob und inwieweit Johnson bei Suhrkamp eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung von DDR-Autoren an den Verlag zukam. Der rege Meinungsaustausch wurde auch in den Pausen sowie bei einem gemeinsamen Grillabend fortgeführt. Der diesjährige Tagungsort, das Internationale Begegnungszentrum Rostock, bot dafür den idealen Rahmen.

Schließlich berichtete die Uwe Johnson-Forschungsstelle von der Arbeit im Uwe Johnson-Archiv. Im Internet lässt sich bereits verfolgen, wie von Tag zu Tag die Zahl der erfassten Bücher aus Uwe Johnsons Bibliothek wächst. Auf ähnliche Weise wird in der zweiten Jahreshälfte auch zu sehen sein, wie Manuskripte und Briefe verzeichnet werden. Die nötigen Vorbereitungen dazu sind abgeschlossen.

Mit Archiv und Workshop gibt es zwei gute Gründe für den Johnson-Nachwuchs, einen Besuch in Rostock zu planen. Am Ende des Treffens wurde vorgeschlagen, das Netzwerk der Johnson-Doktoranden auszubauen und eine Anlaufstelle im Netz einzurichten. Denn immerhin gilt es, zwei Jahre bis zum nächsten Workshop zu überbrücken.

Das Programm des Workshops finden Sie hier.